kerosin, oder die wiedergeburt der gitarre
27.12.2001, etwa 23.00 uhr
letzte nacht war die nacht der wiedergeburt.
passend zum heiligen fest der liebe, das uns einen
erlöser geschenkt hat, der tatsächlich ohne jene
liebe "entstanden" sein soll, fanden sich mutige,
unbeirrbare jungen und mädchen zum stelldichein
des gitarren-comebacks zusammen.
wenn wir vom vorprogramm absehen und den haupt-akt
beiseite lassen, können wir getrost von einem gelungenen
abend sprechen.
das cola war besser als der spanische wein und mein
gesprächspartner wegen oder trotz der mehreren biere
sehr aufgeschlossen, besonders was die wiedergeburt der
gitarre anbelangt.
und fellows, wiedergeboren kann nur etwas werden, was
schon einmal da-war.
und die waren schon einmal da. oh junge, und wie die da
waren. ganze fronten von gitarren-gewittern stellten sich
wie eine stählerne wand gegen die stadt.
die feuerwehren aller umliegender dörfer mußten zu hilfe eilen,
um dem ansturm herr zu werden. dicke strahlen aus heißen
gitarren-noten prasselten auf die straße nieder und erzeugten
einen widerhall, der bis münchen reichte.
dort glaubte man die heilige messe zu augsburg werde ge-
feiert oder der religions-frieden wiederholt, oder gar die hin-
richtung der damals noch nicht heiligen agnes werde endlich
vollzogen, worauf die augsburger schon seit hunderten von
jahren gewartet hatten.
nein, boys & girls, nichts von alledem ist es gewesen. lediglich
der damals noch sehr junge "junge alexander" hat sich vom
weihnachtsgeld seines bereits seit jahren getrennt lebenden vaters
einen cube60-verstärker gekauft und seine noch billigere gitarre
darangehängt, eingestromt und losgelegt und wie, das kann ich
euch sagen. davon erzählen die alten herren und damen heute
noch. meiner freundin hob es gleich den geklauten bh ihrer mutter
von den noch zarten, aber drallen brüsten ab.
ihr tampon der ersten regel verschwand förmlich noch ein paar millimeter
tiefer in der noch nicht entdeckten spalte der kommenden lust.
und ihr welliges haar, oh dieses haar, wie war es wellig, war danach
glatt wie spaghetti im wind.
die gewalt meines gitarren-spiels erzeugte so einen sturm, dass jedes
duft-molekül auf der haut meiner freundin in die welt hinausgetragen wurde.
heute noch sprechen die franzosen vom wundersamen sommer des
erotischen duftes. bis heute rätseln die forscher über dieses phänomen.
aber wer vermutet in frankreich auch schon, dass einmal etwas gutes aus
deutschland zu ihnen kommt.
kurz um, meine gitarre und ich waren eine unzertrennliche einheit, die sich
gemeinsam in den schrubbel-rausch ejakulierte.
aber nichts ist für ewig, so dass auch dieses gewitter ein ende nahm.
die feuerwehr rückte erregt, aber glücklich in die vorhaut zurück, schloß
die samen-bank und rollte den schlauch ein.
und lange, undurchdringliche stille legte sich über die stadt, bis, ja bis zum
27.12.2001, etwa 23.00 uhr, der stunde der wiedergeburt.
Alexander Möckl
Hier gibt es Musik von Alexander Möckl.