"Globalisierung ist per se weder schlecht noch gut", schreibt der Wiener Produzent Georg Cracked in seinem Statement zum Track seines Projekts Doghouse auf dieser CD. Wir sehen das genauso. Wenn Wirtschaft und Politiker das vielgestaltige Phänomen der Globalisierung aber gar so lautstark wahlweise als Allheilmittel oder unabwendbares Schicksal beschwören, sind Zweifel angebracht. Dass wir eine Musik-Compilation machen, um Zweifel zu säen, sollte nicht überraschen: Immerhin ist das Infragestellen vermeintlicher Gewissheiten nach wie vor eine wichtige Dimension von Kunst. In Einzelfällen sollte sie auch dazu angetan sein, Wut auszulösen - wir zitieren weiter Georg Cracked: "Wenn aber Menschen verdursten müssen, damit andere Menschen Profit machen können, dann ist das moralisch verwerflich."
Hier wird auf das Dienstleistungsabkommen GATS angespielt. Dieses General Agreement on Trade in Services, ein allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen, über das derzeit von den Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation WTO verhandelt wird, soll die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen zum Ziel haben. Langfristig sollen etwa das Gesundheitswesen, die Schulbildung und eben auch die Wasserversorgung aller Staaten von privaten Unternehmen übernommen werden. Eindrückliche Beispiele dafür, wie die von Unternehmensinteressen geprägte Einseitigkeit von Lehrplänen die Schulbildung entwertet, lassen sich in Naomi Kleins Buch No Logo nachlesen. Dass eine profitorientierte Privatisierung des Gesundheits-wesens bereits in wohlhabenden Ländern wie Deutschland zu enormen sozialen Ungerechtigkeiten führen wird, steht hinter den gegenwärtigen Debatten um soziale Reformen - wie verheerend sich dies in armen Ländern auswirken würde, wird dabei noch gar nicht gesehen. Und im Fall der Wasserprivatisierung gibt es einerseits Beispiele aus industrialisierten Ländern, die belegen, dass die Trinkwasserqualität nach der Privatisierung stark gesunken ist, weil etwa auf die Wartung von Rohrleitungen aus Ersparnisgründen verzichtet wurde. In Regionen, wo Wasserknappheit bereits als möglicher zukünftiger Kriegsgrund zwischen Staaten gesehen wird, wie etwa in Teilen Afrikas, deuten sich umso gravierendere Folgen an. Wenn dort statt fairer Abkommen auf der Ebene der Staatengemeinschaft die Gewinninteressen privater Unternehmen den Ton angeben, dürfte dies der politischen Stabilisierung und der sozialen Gerechtigkeit in diesen Gegenden kaum zuträglich sein. Georg Cracked schreibt dazu: "Wasser ist wichtig, zu wichtig, um irgendwen damit Geschäfte machen zu lassen. Der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Wasser ist überlebenswichtig. Aus diesem Grund, und obwohl ich weiß, dass es nicht modern ist, dies zu sagen, finde ich, die Versorgung der Menschen mit Wasser sollte eine öffentliche Aufgabe bleiben. Wasser kann nicht liberalisiert werden."
Wegen der Brisanz der im Zuge der GATS-Gespräche verhandelten Entwicklungen, die uns alle betreffen, haben wir als Labelmacher nach einem Weg gesucht, ein deutliches Statement gegen diese politische Entwicklung zu formulieren, das zugleich auch bei denjenigen, die wir über die von uns veröffentlichte Musik erreichen, den Wunsch weckt, sich intensiver mit dieser Problematik zu beschäftigen. Das Resultat ist dieser Sampler. Der Erlös aus seinem Verkauf fließt als Spende an das globalisierungskritische Netzwerk Attac, dessen Arbeit zum Thema GATS wir viele Informationen verdanken und die wir deshalb - auch wenn wir die Positionen von Attac zu anderen Themen nicht immer teilen - unterstützen wollen. Wer sich weiter über die GATS-Problematik informieren möchte, sei auf die Website www.attac.de verwiesen.
Wie aber lassen sich solche Überlegungen musikalisch artikulieren? Einmal natürlich auf der Ebene von Songtexten, wofür sich auf dieser CD einige Beispiele finden. Zum anderen aber bietet auch die Montage von Sounds die Möglichkeit, komplexe Zusammenhänge in einen Track einzubetten, wie es Georg Cracked anhand des Beitrags von Doghouse erklärt: "In manchen Gegenden der Welt respektieren die Menschen Wasser als Gottheit (daran soll das Cherokee-Sample am Schluss des Tracks erinnern). In anderen Gegenden der Welt ist die Versorgung mit Wasser immer noch mangelhaft (daran sollen die afrikanischen Trommeln im Epilog des Tracks erinnern)." Auch in vielen anderen Tracks lassen sich solche Verweise auf die Welt außerhalb der Musik entdecken - wie bei den politischen Diskussionen über die Globalisierung lohnt es sich auch hier, auf die Hintergrundgeräusche und Zwischentöne zu hören. Bei dieser akustischen Spurensuche wünschen wir viel Spaß.
Bedanken möchten wir uns bei allen, die Beiträge für diese CD eingereicht haben, für die wir leider keinen Platz mehr hatten, sowie bei Tarek Jumah (Mastering) und Bernd Spring (Covergestaltung und Titel). Usound und www.gebrauchtemusik.de, Mai 2004
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"Globalisation in itself is neither good nor bad," Vienna-based producer Georg Cracked writes in the statement accompanying the track from his project Doghouse on this CD. We agree. But with corporations and politicians so freely and eloquently invoking globalisation as a cure-all, or an inevitable fate, some questioning seems essential. Producing a music compilation album in order to raise such questions would appear a cogent response. After all, challenging so-called certainties is still an important part of what art is about. In some cases, art should also be about stimulating rage. In the words of Georg Cracked: "When people die of thirst so that other people can make profits, it is morally despicable."
This is an allusion to GATS, the General Agreement on Trade in Services currently being negotiated by the member states of the World Trade Organisation (WTO). Its aim is to privatise public services, with the intention, in the long term, of companies taking over the healthcare, education and water supply systems of each and every country. Naomi Klein's book No Logo gives striking examples of the deterioration of school curricula through the narrowing of their focus according to corporate interests. The fact that a profit-oriented privatisation of healthcare will lead to consider-able inequality even in a wealthy country like Germany has sparked a heated political debate here - while the devastation it would cause in poor countries remains yet to be understood. As far as the privatisation of water supplies is concerned, evidence from developed countries shows that the quality of drinking water has deteriorated dramatically in the wake of privatisation, as, for example, water suppliers try to maximise their profits by saving on the maintenance of pipes. In regions such as those parts of Africa where, even today, water shortage is regarded as a future cause of war, the consequences are likely to prove much worse. If the profit interests of private companies gain precedence over fair agreements, political stability and social equality in those areas will become even harder to achieve. Georg Cracked sums up this problem: "Water is too important to let it become a source of business for anybody. The human body is two thirds water. Water is necessary for survival. For this reason, and despite it being unfashionable to say so, I believe that supplying water should remain a public service. Water should not be liberalised."
The explosive nature of the developments at stake in the GATS talks, developments which concern everyone, has provoked us, as music labels, to try to make a clear statement against them - a statement that may also encourage the people we communicate with through the music we publish to find out more about these problems. This compilation represents what we have to say. The proceeds from the sale of this album will be donated to Attac, a network whose critique of globalisation has supplied us with much information on GATS. For this reason, and al-though we do not always share the position of Attac on other topics, we would like to support their work. If you want to find out more about GATS and related issues, http://www.attac.org/ireland/gatsdocs.htm is a good place to start from.
So how do these thoughts translate into music? Song lyrics are one means - several examples can be found on this CD. Another lies in the assembling of sounds, which allows complex real-life relationships to be edited into a track, as Georg Cracked explains with reference to the piece by Doghouse: "In some corners of the world, people respect water as a god (the Cherokee sample at the end of the track is a reminder of this). In other corners of the world, the water supply is still very bad (the African drums on the epilogue act as a similar reminder)." Such references to the world beyond the music can be found on many other tracks. As is the case with political discussions about globalisation, it is worth
listening for what goes on in the background, the subtle undertones. We hope you enjoy searching for these acoustic 'tracks', and signs. We would also like to thank everyone who sent us contributions for this album which we could not include due to lack of space. Thanks are also due to Tarek Jumah for mastering, to Bernd Spring for the cover design and title and to Nick Burbridge for help with the English liner notes.
Usound and www.gebrauchtemusik.de, May 2004
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